Morning is a long way home

Ein komischer Titel nicht wahr?! Tatsache ist, dass mir dieser Titel bei diesem Beitrag als erstes spontan eingefallen ist. Dieser Titel stammt von einem Gitarristen – Leo Kottke – und er stammt aus der Zeit, von der dieser Beitrag berichtet: meiner Jugend!

Damals war ich am Lernen dieses Instruments und all meine Gefühle, meine Gedanken, Sorgen, Probleme und Erlebnisse in verschiedenen Situationen, öffneten sich mit jedem Ton beim Spielen der Gitarre.

Übrigens, das ist meine LOWDEN. Eine Gitarre, die ich per Zufall vor über 40 Jahren in einem Gitarrengeschäft entdeckte. Ich war sofort von dem Sound begeistert.

Und dann hörte ich eines Tages diesen Song. Es brach förmlich aus mir heraus; ein Schwall an Emotionen, welche mich erdbebenartig überfluteten. Ich weiß nicht mehr, wie viele Male ich dieses Lied gehört habe, aber das Lied und der Titel wurden ein Meilenstein in meinem Leben, in meinem “langen Weg zum Morgen, nach Hause”.

Steil und dunkel

Ein sehr steiniger und steiler Weg lag vor mir, der mich einerseits in sehr hohe (emotionale) Höhen brachte – angetrieben durch meine Unruhe, mein Drang alles von “oben sehen zu wollen” – eine Form des ADS, was ich damals aber noch nicht wusste.

Andererseits kam es mir vor, als wandere ich durch die Nacht, in steile Höhen auf engen Pfaden, wo links und rechts tiefe und dunkle Abgründe nach mir greifen wollen. Überall Dunkelheit und (symbolische) „Dämonen/Monster“, deren bedrohliche Nähe mir Angst machten oder eine tiefe Unsicherheit erzeugten.

Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren solle, war zwar nach Außen ein umgänglicher Mensch, der immer Stimmung reinbrachte. Aber tief in meinem Inneren war ich der “Lobo”, der einsame Wolf, der allein und nachts durch die “dunklen Wälder“ streifte.

Morning is a long way home

Was ich tief im Inneren spürte war, dass der “Morgen” ein langer Weg nach Hause – zu mir selber – sein würde. Aber, wie ich dahin kommen sollte und welche Gefahren und Hindernisse auf mich lauern würden, konnte ich im Geringsten nicht einmal erahnen.

Wie viele Dimensionen?

Für den einen oder anderen Leser dieser Beiträge mag vieles sehr verwirrend sein. Ich habe versucht, die Schlüsselszenen bzw. -gedanken zu erklären, was aber nicht immer einfach ist.

Tiefe Abgründe und eine Erbschaft

Das, was ein Mensch HEUTE darstellt, ist das Ergebnis einer jahrelangen Modellierung seiner Persönlichkeit, seines Seins. Gewisse Züge und Eigenarten sind erblich. Sie lassen sich nur sehr schwer ändern. Dazu kommt noch das Wissen (oder NICHT Wissen) bzw. ändern wollen oder können.

Klar ist: wenn man nicht weiß – oder nicht wissen will bzw. sich nicht dafür interessiert – dass man diesen oder jenen erblichen Anteil hat, kann man nicht entsprechend reagieren – ob positiv oder negativ.

Des Weiteren kommt auch noch die “Angst” oder der “fehlende Mut”, sich diesen “Dämonen” der Vergangenheit zu stellen. Davor haben viele die größte Angst. Ein weiterer Aspekt ist, dass es nicht wenige gibt, die das Wissen hätten, sich aber nicht ändern wollen oder gar nicht können!

Weitere Faktoren sind seine Erziehung, Intelligenz, Lebensmut, Energie und damit das “Kämpfen” und soziale Umfeld, in dem man lebt und/oder aufwächst. Es können hinderliche Faktoren, müssen es aber nicht sein, um die Abgründe der Vergangenheit loszuwerden.

Erinnerungen und Narben

In jedem von uns stecken Erinnerungen aus der Kindheit, die wir verschweigen, nicht gerne erlebt hätten, oder loswerden würden. Das ist unsere Startposition. Manche erleben dies körperlich, andere wieder mehr auf der seelischen Basis oder in einer Kombination von beiden.

Die Narben und Wunden sind dieselben. Sie brauchen lange um zu heilen und manche verheilen nie oder verkrusten! In vielen Fällen haben sich die seelischen Narben auch in körperliche Beschwerden manifestiert.

Der Kampf des Lebens

Es gibt Menschen, die in irgendeine Situation hinein schlittern – oder manövriert werden – und die scheinbar willenlos, der Situation folgend, sich – ohne zu hinterfragen/nachzudenken – in den „gähnenden Abgrund ihres Daseins“ stürzen.

Andere tun das zwar eine Zeitlang genauso bzw. akzeptieren ihre Situation, werden aber irgendwann “wach”, drehen sich um und laufen gegen den Strom, gegen die Masse. Und dann gibt es noch die Kämpfer, die von Anfang an dagegen anrennen oder rebellieren.

Ich persönlich zähle mich zu den mittleren; zu denjenigen, die das eine ganze Zeitlang mehr oder weniger stillschweigend akzeptierten. Die mittleren und die letzten, die Kämpfer, sind diejenigen, die es am schwersten haben.

Summa summarum est

Auch wenn dieser Weg sehr tränenreich und mit vielen Schmerzen bestückt ist, ist er es trotzdem wert begangen zu werden. Aber ACHTUNG: was hier in kurzen Sätzen beschrieben wurde, ist im richtigen Leben ein jahrelanger Prozess!

ADSLer haben sehr oft ein Kampfgeist, der nie besiegt werden kann, ein Optimismus, der Außenstehenden oft Angst macht und den viele versuchen lächerlich zu machen.

Rhetorische Frage: Warum eigentlich?

Bin ich ADSLer?