Aktuelle Situation

Vielleicht liegt es im Wesen eines ADSlers, sich um Dinge Sorgen zu machen, die andere nicht so “eng” sehen, oder herannahende Unglücke zu “spüren”, wo andere noch in schönster „Partylaune“ sind und kein Gespür dafür haben.

Thema ADHS:

In meinen Beiträgen habe ich von positiven als auch negativen Erfahrungen sowie über die Lebensweise und Ernährung berichtet. Ich stelle zum Beispiel immer wieder fest, dass ich auf gewisse Lebensmittel positiv, auf andere negativ, das heißt mit diversen Nebenwirkungen reagiere.

Lebensmittel:

Hierbei ist mir aufgefallen, dass Fastfood, industriell hergestellte Lebensmittel und solche mit künstlichen Aromastoffen und anderen Zutaten, bei mir recht heftige Reaktionen hervorgerufen haben. Des Weiteren ist mir aufgefallen, dass ich Milchprodukte nicht bzw. nur teilweise vertrage. Teilweise deshalb, weil es auf die Menge und meinem psychischen Zustand ankommt (Stichwort: Toleranzgrenze).

Ein Beispiel dazu:

Bin ich entspannt, kann ich ein “Milchprodukt” (Käse, Milchschokolade, ein Getränk usw.) ohne Probleme einnehmen. Habe ich Stress oder Ärger genügt oft schon ein kleiner Schluck oder Bissen, den ich dann “bezahlen” muss. Ich muss aber dabei immer meine persönliche Toleranzgrenze beachten!

Wobei ich (aktueller Stand 2020) eine Änderung mitteilen muss: ich habe es mittlerweile geschafft meine Toleranzgrenze zu erhöhen. Es hat zwar etwas Zeit gebraucht, hat sich aber insofern bemerkbar gemacht, dass ich mehr vertrage als vorher.

Ich bin per Zufall drauf gekommen. Da ich mich sehr für die gesunde und vollwertige Küche interessiere, kam ich eines Tages auf die Idee Quark (öst. Topfen) selbst herzustellen. Ich hatte vorher über 40 Jahre keinen Quark oder Frischkäse gegessen, weil sich heftigste Reaktionen zeigten, die oft den Einsatz eines Notarztes nötig hatten.

Per Zufall erfuhr ich von einer Adresse eines Bauern. Seine Kühe dürfen Sommer wie Winter raus, wenn sie wollen und bekommen kein Kraft- oder spezielles Futter, da es sich bei seinen Kühen nicht um die sogenannten Turbokühe handelt.

Meine Frau und ich kauften zum Testen 1 Liter Rohmilch und machten Quark draus. Das Ergebnis? Hammer, wenn man das mal so euphorisch schreiben darf! Ich habe sehr vorsichtig – aus Angst, wieder beim Notarzt zu landen – ein paar kleine Löffel probiert und bin vorsichtig über meine Toleranzgrenze hinaus gegangen.

Dann kam die berühmte Wartezeit von etwa 15-20 Minuten, die sich sonst meistens in schrecklichen Reaktionen zeigte. Angefangen von starker Übelkeit und dem Gefühl sich übergeben zu müssen, bis hin zur Reaktion, wie wenn einem der Magen/Darm innerlich nach unten gezogen würde. Dann kam kalter Schweiß mit heftigen Atem (Hyperventilation) und Angstzuständen dazu.

Doch dieses Mal war es anders. Nach 10 Minuten keine Reaktion. Ebenso nach 15 Minuten bzw. 20 Minuten. Keine Reaktion! Und die Molke die bei der Herstellung von Quark übrig bleibt, habe ich auch trinken können. Allerdings mit einer kleinen Einschränkung – damit kann ich aber sehr gut leben:

Ich darf nicht mehr als 1 Glas (etwa 250 ml) trinken! Wobei ich nach etwa 6-8 Monaten festgestellt habe, dass sich diese Toleranzgrenze wieder erhöht hat. Seitdem machen wir uns den Quark, den wir in der Küche in verschiedenen Bereichen einsetzen, selbst. Mittlerweile auch Frischkäse und eine Art „Feta“. Wer dafür Interesse hat, kann auf meinem Blog unter Rezepte einige Informationen und/oder Rezepte finden.

Alkohol:

Das Thema mag für den einen oder anderen ein heikles sein; das Wesen eines ADSlers ist es aber auch, Tabuthemen aufzugreifen und offen zu besprechen.

Es gibt Tage, da trinke ich kaum Alkohol und ein anderes Mal schmeckt mir ein gutes Glas Bier oder Wein zum Essen doch recht gut. Auch hier habe ich eine Veränderung an mir festgestellt: Ich trinke weniger, dafür aber eine gute Qualität und ich muss nicht jeden Tag Alkohol haben.

Bewegung:

Zum Glück haben meine Frau und ich einen Rhythmus gefunden, der uns eine regelmäßige Bewegung verschafft. Wobei man sagen muss, dass wir meistens (im Frühjahr und Sommer) Abends unsere Runde laufen. Im Herbst und Winter eher um die Mittagszeit.

ADSler empfinden regelmäßige Bewegung als positiv , obwohl es einige Zeit gebraucht hat, bis wir einen Rhythmus gefunden haben. Meistens ist es Nordic-Walking, Schwimmen oder Fahrrad fahren. Unser “Ländle” ist natürlich ein idealer “Trainingsort” dafür.

Genuss oder Lebensstil:

Keine Ahnung an was das liegt; am Älter werden, die seelische Reife, das Gefühl langsam “zuhause angekommen zu sein”. Ich genieße jeden Tag sehr intensiv und die Tage, wo es stressig hergeht, sind für mich als ADSler schrecklich. Klar, Stress lässt sich nicht immer vermeiden, die so genannte Entschleunigung bringt aber mehr Lebensqualität. Für jeden, der diesen Beitrag liest und sich überlegt, was er/sie damit anfangen soll; mein Tipp: Es ist auf jeden Fall ein Versuch wert.

Familie, Freunde, Bekannte:

Früher hatte ich immer versucht mit allen gut zu sein und möglichst keinen Streit zu entfachen bzw. wenn es sich dann gar nicht mehr vermeiden ließ, habe ich es dann so richtig krachen lassen (auch ein Teil des ADSlers). Heute bin ich abgeklärter geworden. Ich sage und/oder schreibe zwar immer noch sehr direkt und offen, was manchen vielleicht nicht gefallen mag, dafür hat sich aber die “Spreu vom Weizen” getrennt.

Diejenigen, die geblieben sind, sind solche die man Freunde nennen kann und die anderen, die (noch) nicht wissen, wie man mit uns oder mir (als ADSler) umgehen soll, befinden sich in der Beobachtungsphase. Manche bleiben weiter weg (aus “Angst” oder Scheu) und andere kommen (meist aus Neugier oder Begeisterung) näher.

Gegensätze schaffen

Und noch etwas habe ich (ENDLICH) erfahren dürfen: ADSLer polarisieren!!! Entweder man ist von ihm und seiner Art begeistert oder man entfernt sich. Es gibt kein Mittelding!

Manchmal habe ich Phasen, wo ich ruhiger bin. Ein anderes Mal gibt es Zeiten, wo ich aufgedrehter bin. Das kann durch mehrere Situationen entstanden sein. Manchmal ist es Stress von außen, das heißt, es entstehen Situationen, die mich konfus und gereizt reagieren lassen. Ein anderes Mal mache ich mir den Stress selber, indem ich mir selbst einen „Berg“ aufschaufel und den dann wieder abarbeiten muss! Das alles zu lernen in ein richtiges Maß zu bringen, braucht Zeit und viel Geduld.

Anerkennung Wertschätzung und dem ADSler „glauben

Das ist ein Phänomen, dass sich seit meiner Kindheit erfahre. Damals wusste ich noch nichts von ADHS oder anderen Reaktionen bzw. Gegenreaktionen. Als Kind/Jugendlicher „verdaut“ man solche Situationen schneller. Und sehr oft sind sie einem gar nicht bewusst.

Erst mit dem fortschreitenden Alter bemerkt man es. Ein ADSler kann tun und lassen oder sagen, was er will und trotzdem glauben ihm sehr viele Menschen nicht. Es liegt zum Teil auch an ihm selbst. Ein ADSler neigt in seiner oft überbordenden Emotionalität und Begeisterung zu Übertreibungen, was sich auch in seiner Gestik und seiner Stimme niederschlägt.

Wenn ein ADSler von etwas begeistert ist und das seinem Gegenüber mitteilen möchte, sprudelt es förmlich aus ihm heraus. Je nach Typus des Anderen entsteht eine Art „Übertreibungs-Vakuum„. Der Andere beginnt bei der oft sehr emotionellen Beschreibung oder Handlung am Wahrheitsgehalt zu zweifeln. Und je mehr der ADSler sich in seiner Begeisterung hinein manövriert, desto mehr entsteht bei dem Anderen das Gefühl das Ganze stimme irgendwie nicht bzw. könne gar nicht stimmen.

Die meisten ADSler sind sehr sensibel und merken sehr schnell, was sich zwischen „Himmel und Erde“ abspielt. Was macht er also? Er „erfindet“ bzw. erzählt von Kollegen oder Freunde/Bekannte usw. (die es sogar teilweise gibt, aber nicht mehr zu seinem persönlichen Kreis gehören; entweder woanders wohnen, oder keinen Kontakt mehr mit ihm haben usw.) die genau das gesagt, erzählt oder getan haben.

ADSler haben ein RIESEN Schatz an Wissen und/oder Fertigkeiten, weil sie sich für (fast) alles interessieren. Und sie haben ein großes Bedürfnis dieses Wissen anderen mitzuteilen. Was aber meist dazu führt, dass es den Anderen nicht oder nur wenig interessiert. Oder zu einer für den Anderen unpassenden Zeit erzählt oder vorgeführt wird.

Damit das glaubwürdig klingt, „erfinden“ die ADSler eben irgendjemand, der das gesagt, getan oder gewusst bzw. erzählt hat. Das hat aber auch eine Kehrseite. Es kann (muss nicht) dazu führen, dass dem ADSler noch weniger geglaubt wird. Der ADSler spürt das (Stichwort: Hypersensibilität) und versucht das auch zu beweisen.

Und hier entsteht dann oft eine paradoxe Situation. Der ADSler gilt dann als rechthaberisch, Wichtigtuer usw. was ihm innerlich sehr weh tut. Das Resultat? ADSler ziehen sich entweder zurück und gelten deshalb als „skurril“ oder „eigenbrötlerisch„, „verschroben“ usw.

Oder man versucht einem ADSler das Gegenteil zu beweisen. Dann entstehen meist hitzige oder sehr emotionale Diskussionen, die auf beiden Seiten außer Ärger und Frust gar nichts bringen. Leider sind solche Situationen in unserer schnelllebigen Zeit normal geworden. Und wer „anders“ ist in diesem System, wird schnell mal gemobbt, gemieden und nieder gemacht.

Es gibt nicht wenige ältere ADSler, die sich aufgrund solcher und/oder ähnlicher Situationen sehr in ihr Schneckenhaus zurückgezogen haben und nichts mehr mit der Außenwelt zu tun haben wollen.

Es wäre für alle viel einfacher dem Anderen (auch der ADSler sollte das beachten) einfach nur mal zuzuhören, ausreden lassen (das ist ein langwieriger Prozess für einen ADSler) und Wertschätzung zeigen.

Über das zu schreiben, würde den Rahmen dieses speziellen Blogs sprengen! Oder es packt mich eines Tages doch noch einmal, das Thema aufzugreifen.

Fazit

Möglicherweise hätte man es als ADSler einfacher im Leben, wenn man KEIN ADSLer wäre. Andererseits wäre man aber auch nicht so intensiv durch das Leben gegangen. Rhetorische Frage: gehen „andere“ auch so intensiv durchs Leben?

ADSler zu sein, kann positiv aber auch – besonders für die ANDEREN – sehr negativ und/oder anstrengend sein. Was ich ebenfalls festgestellt habe: Meist arbeite ich auf mehreren Ebenen (Multitasking nennt man so etwas). Das mag – für Außenstehende – irritierend oder faszinierend sein; und das ist genau das: man polarisiert.

Manchmal wünschte ich, ich würde gern eines nach dem anderen “abarbeiten” und dann fange ich strikte damit an, dauert aber meist nicht lange und ich bin wieder auf mehreren Ebenen beschäftigt!

Wobei sich hier in den letzten Monaten eine neue Situation ergeben hat: es ist für MICH als ADSler weniger stressig, auf mehreren Ebenen zu arbeiten. Man wird ruhiger, wenn man eine Sache nach der anderen macht! Das zu lernen, ist weiterhin (m)ein großes Ziel!