Aktuelle Situation

Vielleicht liegt es im Wesen eines ADSlers, sich um Dinge Sorgen zu machen, die andere nicht so “eng” sehen, oder herannahende Unglücke zu “spüren”, wo andere noch in schönster „Partylaune“ sind und kein Gespür dafür haben.

Thema ADHS:

In meinen Beiträgen habe ich von positiven als auch negativen Erfahrungen sowie über die Lebensweise und Ernährung berichtet. Ich selber stelle für mich immer wieder fest, dass ich auf gewisse Lebensmittel positiv, auf andere negativ, das heißt mit diversen Nebenwirkungen reagiere.

Lebensmittel:

Fastfood, industriell hergestellte Lebensmittel und solche mit künstlichen Aromastoffen führen bei mir zu heftigen Reaktionen. Milchprodukte vertrage ich nur teilweise. Teilweise deshalb, weil es auf die Menge und meinem psychischen Zustand ankommt (Stichwort: Toleranzgrenze).

Ein Beispiel dazu:

Bin ich entspannt, kann ich ein “Milchprodukt” ohne Probleme einnehmen. Habe ich Stress oder Ärger genügt oft schon ein kleiner Schluck oder Bissen, den ich merke. Ich muss deshalb immer auf meine persönliche Toleranzgrenze achten!

Alkohol:

Es gibt Tage, da trinke ich kaum Alkohol und ein anderes Mal schmeckt mir ein gutes Bier oder Wein zum Essen doch recht gut. Auch hier habe ich eine Veränderung an mir festgestellt: Ich trinke weniger, dafür aber eine gute Qualität und ich muss nicht jeden Tag Alkohol haben.

Bewegung:

Zum Glück haben meine Frau und ich einen Rhythmus gefunden, der uns eine regelmäßige Bewegung verschafft. ADSler empfinden regelmäßige Bewegung als positiv , obwohl es einige Zeit gebraucht hat, bis wir einen Rhythmus gefunden haben. Meistens ist es Nordic-Walking, Schwimmen oder Fahrrad fahren. Unser “Ländle” ist natürlich ein idealer “Trainingsort” dafür.

Genuss oder Lebensstil:

Keine Ahnung an was das liegt; am Älter werden, die seelische Reife, das Gefühl langsam “zuhause angekommen zu sein”. Ich genieße jeden Tag und die Zeiten, wo es stressig hergeht, sind für mich als ADSler schrecklich. Stress lässt sich nicht immer vermeiden, die so genannte Entschleunigung bringt aber mehr Lebensqualität. Für jeden, der diesen Beitrag liest und sich überlegt, was er/sie damit anfangen soll; mein Tipp: Es ist auf jeden Fall ein Versuch wert.

Familie, Freunde, Bekannte:

Früher hatte ich immer versucht möglichst keinen Streit zu entfachen und wenn es sich gar nicht mehr vermeiden ließ, habe ich es richtig krachen lassen (auch ein Teil des ADSlers). Heute bin ich abgeklärter geworden. Ich sage und/oder schreibe zwar immer noch sehr direkt und offen, was manchen vielleicht nicht gefallen mag, dafür hat sich aber die “Spreu vom Weizen” getrennt.

Gegensätze schaffen

Und noch etwas habe ich erfahren: ADSLer polarisieren!!! Entweder man ist für ihn oder gegen ihn. Es gibt kein Mittelding! Auch Stress ist etwas, was mich konfus und gereizt reagieren lässt. Manchmal mache ich mir den Stress selber, indem ich mir selbst einen „Berg“ aufschaufel und den dann wieder abarbeiten muss! Und ein anderes Mal kommt er von außen. Das alles zu lernen in ein richtiges Maß zu bringen, braucht Zeit und viel Geduld.

Anerkennung Wertschätzung und dem ADSler „glauben

Ein Phänomen, dass sich seit meiner Kindheit erfahre. Damals wusste ich noch nichts von ADHS und den damit verbundenen Reaktionen. Als junger Mensch „verdaut“ man Situationen schneller. Und sehr oft sind sie einem gar nicht bewusst.

Erst mit dem fortschreitenden Alter bemerkt man es. Ein ADSler kann tun, lassen oder sagen, was er will und trotzdem glauben ihm sehr viele Menschen nicht. Es liegt zum Teil auch an ihm selbst. Ein ADSler neigt in seiner oft überbordenden Emotionalität und Begeisterung zu Übertreibungen, was sich auch in seiner Gestik und seiner Stimme niederschlägt.

Übertreibung erleichtert das Verständnis

Wenn ein ADSler von etwas begeistert ist und es mitteilen möchte, sprudelt es förmlich aus ihm heraus. Je nach Typus entsteht eine Art „Übertreibungs-Vakuum„. Der Gesprächspartner beginnt bei der oft sehr emotionellen Beschreibung am Wahrheitsgehalt zu zweifeln. Und je mehr der ADSler sich in seiner Begeisterung hinein manövriert, desto mehr entsteht das Gefühl, das Ganze stimme irgendwie nicht bzw. könne gar nicht stimmen.

Die meisten ADSler sind sehr sensibel und merken sehr schnell, was sich zwischen „Himmel und Erde“ abspielt. Was macht er also? Er „erfindet“ bzw. erzählt von Kollegen/Freunden/Bekannten, die genau das gesagt, erzählt oder getan haben.

Wissen ist Macht, nichts wissen, macht auch nix!

ADSler haben ein RIESEN Schatz an Wissen und/oder Fertigkeiten, weil sie sich für (fast) alles interessieren. Und sie haben ein großes Bedürfnis dieses Wissen anderen mitzuteilen. Was aber meist dazu führt, dass es den Anderen nicht oder nur wenig interessiert. Oder zu einer unpassenden Zeit erzählt oder vorgeführt wird.

Das Paradoxon und seine Wirkung

Hier entsteht sehr oft eine paradoxe Situation. Der ADSler gilt als rechthaberisch, Wichtigtuer usw. was ihm innerlich sehr weh tut. Das Resultat? ADSler ziehen sich entweder zurück und gelten dann schnell mal als „skurril“ „eigenbrötlerisch„, „verschroben„, „stur“ usw.

Manchmal gibt es aber auch Personen, die versuchen einem ADSler das Gegenteil zu beweisen. Dann entstehen meist hitzige oder sehr emotionale Diskussionen, die auf beiden Seiten außer Ärger und Frust gar nichts bringen. Und wer „anders“ ist in diesem System, wird schnell mal gemobbt und gemieden (siehe diverse Foren im Internet). Es gibt nicht wenige ADSler, die sich in ihr Schneckenhaus zurückziehen und nichts mehr mit der Außenwelt zu tun haben wollen.

Fazit

Möglicherweise hätte man es als ADSler einfacher im Leben, wenn man KEIN ADSLer wäre. Andererseits wäre man aber auch nicht so intensiv durch das Leben gegangen. Rhetorische Frage: gehen „andere“ auch so intensiv durchs Leben?